Legalisierte Privatkopie: Wie könnte man die Schaffenden vergüten?

Das Thema Urheberrecht im Bezug auf die Legalisierung der freien Privatkopie – also das z.B. das straffreie Tauschen von Musik und Filmen usw. über das Internet – gilt wohl als eines der umstrittensten Standpunkte in der Parteipartei. Denn anders als z.B. beim Themen Anti-Zensur oder Datenschutz verteidigt die Piratenpartei hier nicht nur die Freiheitsrechte, sondern geht selbst zum Enterangriff über. Das Urheberrecht soll laut Parteiprogramm grundlegend reformiert und liberalisiert werden. Das Erstellen, Besitzen und Verbreiten von privaten Musik- oder Filmkopien soll nicht nur legalisiert, sondern sogar gefördert werden. Mit zwei zentralen Begründungen: Erstens weil dadurch ein beachtlicher Kulturzuwachs im Amateurbereich zu erwarten ist und zweitens um der aktuellen Wirklichkeit in der Internetkultur einen rechtlichen Rahmen zu geben und nicht ein halbe Generation zu kriminalisieren.

Die Kritiker

Natürlich ist es richtig, dass viele Kritiker erstmal sagen, es handelt sich dabei um eine Straftat; und bei der geforderten Neuregelung um eine Enteignung. Der Hintergrund für diese Tatsache ist natürlich, dass die Leistungsträger befürchten jetzt auch noch ihr Anrecht auf Vergütung ihre Werke zu verlieren. Dies darf meiner Meinung nach auch auf keinen Fall passieren.

Doch wie kann man faire Vergütung und freie Kopierbarkeit unter einen Hut bringen?

Zu dieser Fragestellung haben sich schon viele Leute mit unterschiedlichen Überlegungen und Ideen geäußert. Einen Königswegs, der alle Ansprüche aller Kritiker zu 100% erfüllt, konnte nach meinem aktuellen Erkenntnisstand allerdings nicht gefunden werden. Egal welche Lösung man wählt: „Einen Tod muss man also sterben“.
Welche Möglichkeiten gibt es dann?

Meiner Einschätzung nach gibt es nur drei Möglichkeiten:

  1. Alles so belassen wie es ist. Mit der Konsequenz das niemand glücklich ist.
  2. Das gesamte Internet überwachen (über das China-Niveau hinaus), drakonische Strafen einführen und eine halbe Generation kriminalisieren.
  3. Eine „Kulturflatrate“-Vergütung mit der bestmöglich machbaren Umsetzung um die größten Nachteile (die man von der GEMA kennt) zu minimieren.

Gibt es keine weiteren Möglichkeiten?

Doch! Und deren Existenz will ich auch nicht verschweigen. Jedoch bin ich davon überzeugt, dass diese alternativen Modelle wie das Spendenmodell (GEMA 2.0) oder das CopyCan-Modell (Vorverkauf) das Problem nicht allein lösen können. Eventuell werde ich mich in einem zukünftigen Beitrag äußern und erklären, warum ich diese nur in Kombination mit einer Kulturflatrate für tragbar halte. Für diesen Beitrag stelle ich die Modelle auf Basis „freiwilliger Zahlungen“ jedoch erstmal in den Hintergrund. Denn so ideell, freiheitlich und optimistisch diese sind, die Schaffenden werden darunter noch weiter zu leiden haben. Selbst der idealistischste Berufskünstler will mit seiner Arbeit Geld verdienen. Die Folgen für die professionelle Schaffenskunst wären auf jeden Fall katastrophal, wenn nicht sogar kulturschädigend.

Nun also die Kulturflatrate?

Ich gehe mal schwer davon aus, dass nur die dritte der oben genannten Möglichkeiten für die Piratenpartei in Frage kommt: Die Kulturflatrate. Die mancher Kritiker gelegentlich auch als „Super“-GEMA, Planwirtschafts-Vergütung oder „Ungerechte Zwangsabgabe“ schimpft. Und ja, tatsächlich hat das Modell der Kulturflatrate eine ganze Liste von Nachteilen, über die man nicht hinwegsehen darf. Dennoch ist es das einzige Modell das die Kernforderung einer fairen und vor allem ausreichenden Künstlervergütung wenigstens weitgehend erfüllt.

Kulturflatrate – ein Hort voller Probleme

Als die wohl meistgenannten Probleme der Kulturflatrate gelten wohl unter anderem fehlende Erfolgsdynamik, Schwierigkeiten bei der Abgrenzung, Vergütungsquoten, Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit, Eingriff in die persönliche Freiheit, GEMA-System, Ungerechtigkeit pauschaler Abgaben, Verwaltungsaufwand, Internet-Überwachung sowie die Wahrung Internationale Harmonie (Quelle: Piratenwiki). Die Liste der Kritik ist lang, dass wird auf jeden Fall klar. Dennoch halte ich keinen dieser Kritikpunkte für so drastisch, dass er eine Kulturflatrate tatsächlich disqualifizieren würde. Und wie schon angekündigt „muss man eh einen Tod sterben“ und die Alternativen sind noch schwächer.

Dass die Grundidee der Kulturflatrate kein absolut unrealistisches Szenario ist, zeigt sich in meinen Augen auch darin, dass sie SDP und die Grünen die Kulturflatrate in ihr Wahlprogramm aufgenommen haben.

Vorschläge!?!

Genug der langen Worte… praktikable Vorschläge sind gefordert! Ich in Zusammenarbeit mit einigen Diskussionsteilnehmern im Piratenpartei-Forum folgendes zusammengeschustert:

Kulturflatrate
Die Kulturflatrate ist eine monatlich zu entrichtende Pauschale, die für alle Nutzer von Breitbandinternetanschlüssen und ggf. Handy-Internet-Users anfällt, und entsprechend der Bandbreite gestaffelt ist. Diese Pauschale deckt die Bezahlung aller digitalen Werke und Produkte der Künstler, Produzenten, Hersteller und Rechteinhaber ab.

Welche Vorteile habe ich durch die Kulturflatrate?
Ob Sie nun bezahlender Teilnehmer der Kulturflatrate sind oder nicht, seit der Einführung der Kulturflatrate ist die Verbreitung, Nutzung und Weitergabe von digitalen Werken, Daten und Programmen für private nicht-kommerzielle Zwecke absolut kostenfrei. Da die Verbreitung und der Austausch dieser Werke vor allem über Breitbandinternetanschlüsse geschehen, werden speziell diese mit den Kosten der Kulturflatrate belastet. Dafür stehen den Nutzern eines Breitbandinternetanschlusses die meisten und schnellsten Angebote zur Verfügung. (Anmerkung: Eventuell sollten auch Papierkopien berücksichtigt werden)

Wer genau bekommt denn meinen Geldbeitrag?
Das ist zu großen Teilen Ihnen überlassen. Die Kulturflatrate bietet ihnen mehrere Möglichkeiten, aus denen Sie frei wählen dürfen:

1. Ihr Beitrag zur Kulturvergütung soll zu 100% auf Grund des offiziellen Verteilungsschlüssels, beruhend auf den bekannten Nutzungsdaten, anteilig an die Kulturschaffenden verteilt werden. An einer Datenerfassung nehmen Sie nicht teil.

2. Sie können ihren Geldanteil entsprechend ihres Nutzungsverhaltens verteilen. Deshalb erklären Sie sich damit einverstanden, dass ein Großteil ihrer anonymisierten Nutzungsdaten von einem Computerprogramm aufgezeichnet und bei der offiziellen Internetplattform XYZ oder bei einer zertifizierten Partnerplattform ihrer Wahl hinterlegen. Als Gegenleistung für ihre absolut anonymisierten und nicht rückverfolgbaren Daten erhalten sie XYZ-Punkte, mit welchen sie sich mehrere exklusive Vorteile und Vergünstigungen sichern können. Wählbare Teilbereiche für die Protokollierung sind Musiknutzung, Filmnutzung, Softwarenutzung und Tauschbörsennutzung.

3. Sie bestimmen auf der offiziellen Internet-Plattfom selbst, an welche Schaffenden Sie bis zu 50% ihres Pauschalberages verteilen möchten. Die anderen 50% Ihres Beitrages werden auch entsprechend Punkt 1 auf die Künstler anhand der allgemein vorhandenen Nutzungsaten verteilt.

Wie wird der allgemeine Verteilungsschlüssel ermittelt?
Die Daten zur Verteilung werden zu 75% aus den zur Verfügung gestellten Nutzungsdaten ermittelt. Die restlichen 25% ermitteln sich anhand der Pauschalen-Verteilung durch die User auf dem Internetportal (Punkt 2) sowie dort getätigter zusätzlicher Spenden. Generell werden alle Werke eines Typs gleich behandelt, egal ob dahinter eine Plattenfirma steht oder ein kleiner Künstler. Jedoch wird es wohl zwischen den verschiedenen Medientypen Unterschiede geben müssen. Denn der Anteil eines Films, PC-Spiels oder professionellen Computerprogramms muss in Relation etwas größer sein, als die Nutzung eines einzelnen Musikstückes.

Was muss ich sonst noch wissen?
Die Schaffenden haben in Zukunft zusätzlich zur Kulturflatrate die Möglichkeit ihre Werke in einem Vorverkauf (CopyCan) anzubieten. Hierbei legen die Schaffenden einen Betrag fest der erreicht werden muss, damit das Werk veröffentlicht wird. Nutzen sie hierzu bis zu 50% ihres Verteilungsetats oder geben sie zusätzliche Euro für ihr ersehntes Produkt. Weiterhin können Sie natürlich die zusätzliche Spendenmöglichkeit des Portals nutzen um ihren Lieblingskünstler zu unterstützen.

Soweit so gut… ein Anfang meinerseits wäre gemacht. Doch wie könnte man dieses Konzept verbessern um weitere Kritikpunkte auszuräumen? Hier ist einfach noch mehr Hirnschmalz und Diskussion gefordert. Aber ich bleibe dran.
Als Pragmatiker plädiere ich dazu, eine praktische Umsetzung des Kulturflatrate-Experiments erstmal auf den Teilbereich Musik zu beschränken. Auch wenn dies nicht das Endziel der Piraten sein sollte. Jedoch sollte man, um diesen Vorschlag auch praktikabel verkaufen zu können, erstmal ein paar Abstriche machen. Denn es ist bei einem zu radikalen Schritt einfach nicht absehbar, welche Folgen dieses hat. Und wir wollen ja am Schluss nicht als Kulturvernichter, sondern als Kulturförderer dastehen.

Piratenkauz

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16 Responses to “Legalisierte Privatkopie: Wie könnte man die Schaffenden vergüten?”


  1. 1 talpa 27. Juni 2009 um 00:40

    hallo da unten,

    hat sich ja jemand wirklich mal einen kopf gemacht, verdient meinen größten respekt.

    kurze kritik des vorschlages:

    momentan fällt mir keine bessere lösung ein als die vorliegende.
    der knackpunkt, und in meinen augen auch das eigentlich schöne an dem programm ist das detail der wahlfreiheit, wie meine kulturflatratezahlung eingesetzt wird. ich kenne die juristischen und technischen aspekte dieser möglichkeit nicht, halte sie aber für den knackpunkt der sache. ist die für piraten so wichtige völlige anonymität gewahrt? wie soll diese halbstaatliche gema 2.0 aussehen, kann man die transparenz dieser organisation gewährleisten, wenn gleichzeitig die daran arbeitenden personen auch ein recht auf informationelle selbstbestimmung haben(und die ihrer arbeit???hä?).

    jedoch, und das ist meine größte hoffnung, kann dem phänomen internet mit seiner aktualität, geschwindigkeit und vernetzungsgrad nur mit ähnlichen aufgebauten lösungsansätzen begegnet werden.
    d.h. falls durch dieses neue medium erst eine neue art von juristischen streitfällen geschaffen wird, muss zur lösung das medium internet analysiert und die konfliktparteien aufgezeigt werden.
    um einen ausgleich zwischen den interessen der einzelnen parteien zu erhalten, und gleichzeitig die basisdemokratische funktion des internet als neu gewonnenes persönlichkeitsrecht zu erhalten, muss ein Einfluss seitens des Konsumenten auf die Verwendung seiner Kulturflatratezahlung gewährleistet ein.
    dies wird technisch in (vielleicht irr ich mich ja) allen der drei aufgeführten punkten gewährleistet.
    und so betreten wir ein neues zeitalter, in dem gesetzlich geregelt sein wird, dass eine sich stets aktualisierende und bessere Repräsentation des Konsumenten und Bürgers als es ein Behördenapparat je sein kann zum Wohle aller beteiligten Parteien eingesetzt werden muss.

  2. 2 Khazar 29. Juni 2009 um 01:28

    Sehr guter Beitrag!

    Meine Vorschläge dazu:

    Man könnte jedem Nutzer eines Breitbandanschlusses einen Zugangsaccount zusenden. Mit diesem Account hat der Nutzer die Möglichkeit sich auf eine Website einzuloggen die:

    1. Es Künstlern erlaubt gegen eine minimale Gebühr (soll Missbrauch vorbeugen) seine Werke für eine gewisse Zeit online zu stellen.
    2. Die Verteilung der Gelder könnte dann degressiv anhand der Anzahl der Downloads stattfinden, wobei ich da einen degressiven Verlauf bevorzugen würde (auch kleine Künstler sollen angemessesn vergütet werden).

  3. 3 Rasi 29. Juni 2009 um 16:51

    Zu meinem Vorredner: Höre ich da raus, dass die Flatrate an zentrale Websites gebunden werden soll? Das wäre eine äußerst schlechte (und angreifbare – Stichwort RIAA) Methode. Wer sagt, dass das Portal meinem Musikgeschmack unterstützt?

    Nein, der Gesetzesentwurf muss ganz allgemeiner Natur sein (Sprich, der Ursprung der Dateien spielt prinzipiell keine Rolle) anders hat das ganze Unterfangen keinen Sinn…

  4. 4 Buster 29. Juni 2009 um 16:56

    Ich denke die Vorschläge sind etwas naiv. Wer glaubt denn allen erstes das sich Firmen wie Sony oder Warner Brothers auf so etwas einlassen. Die Produzieren doch keine Filme für 100te Millionen Dollar in der Hoffnung das User so fair sind und ihre Kulturflaterate zu bezahlen. Wenn solche Werke erstmal frei verfügbar im Internet sind, zahlt da keiner mehr für.

    Ich verstehe auch das Problem der Piraten mit dem Urheberrecht nicht. Jeder kann Musik aus dem Radio aufnehmen, jeder kann sich Filme in der Videothek ausleihen oder nach einigen Wochen für einen Fairen Preis als DVD kaufen. Warum will man die umsonst haben?

    • 5 Piratenkauz 29. Juni 2009 um 17:05

      Die User die einen Breitbandinternetanschluss besitzen werden sich nicht vor der Kulturflatrate drücken können.

      • 6 Buster 29. Juni 2009 um 17:17

        Also doch eine zweite GZE einrichten?
        D.h. alle Internetnutzer zahlen wieder die Rechnung, dafür das einen Bruchteil der Internetnutzer alles umsonst bekommt.

        Wieviele Internetnutzer in Deutschland laden sich Filme oder Musik herunter? Wieviele davon haben ein Problem für diese Ware auch zu bezahlen?
        Die Restmenge ist sicher klein.

  5. 7 Stefan 29. Juni 2009 um 17:32

    „D.h. alle Internetnutzer zahlen wieder die Rechnung, dafür das einen Bruchteil der Internetnutzer alles umsonst bekommt. “

    @Buster: Nein, wenn das gesetzlich geregelt ist, erhält jeder die Werke umsonst. Wer jetzt sagt „Gut, aber dann zahle ich 10€ und lade mir 20 Filme herunter“ und darin ein Problem sieht, der irrt. Denn durch die digitale Technik entstehen keine Vervielfältigungskosten mehr, der materielle Wert ist praktisch Null. Ob im Geldtopf für 1000 Künstler bei 10000 Benutzern 1.000.000€ pro Monat liegen und jeder Nutzer 50 Werke (2€ je Stück) besitzt, oder ob jeder Benutzer 5 Werke besitzt (20€ je Stück) besitzt, das spielt aufgrund der kostenlosen Vervielfältigungsmöglichkeit keine Rolle.

    • 8 Buster 29. Juni 2009 um 17:42

      Wer zahlt dann für die anderen 19 Filme die ich mir umsonst lade? Wie bekommt Sony die 400 Millionen für „Fluch der Karibik 4“, wenn ich den Film umsonst bekomme? Mit Werbung und Merchandising allein wird das nicht klappen.

  6. 9 Manfred 29. Juni 2009 um 17:43

    Liebe Leute!

    Es wäre schön, wenn sich wenigstens die Piratenpartei – und die in diesem Themenbereich praktisch identisch positionierte, aber insgesamt breiter aufgestellte LINKE – den Problemen vom Grund her annähern würde/n, statt irgendwelchen anachronistischen Metaphern hinterherzulaufen.

    Was ist bspw. ein Kinofilm? Nach meinem Verständnis ist ein Kinofilm ein wirtschaftliches Unternehmen, zu dem Tausende von Menschen, die einfach ein Auskommen für sich und ggf. ihre Familie brauchen, und die Eurer Meinung nach besonders bei Laune zu haltenden (Drehbuch-)Autoren und Regisseure zusammenkommen, um unter teils gehörigem, teils sehr bescheidenem Materialaufwand ein Produkt zu schaffen, dass von Millionen Menschen in der Welt betrachtet und bezahlt werden soll. Ist es angesichts der hier geführten Diskussion nicht schon ungeheuer interessant, dass die superteuer produzierten Science-Fiction-Superheldenfilme den Kinozuschauer beim Kauf der Kinokarte an der Kasse genauso viel kosten wie das Ein-Mann-ein-Zimmer-Dramolett?

    Ist es nicht faszinierend, wie eine Frau mit 7 Büchern und ein klein wenig Mitspracherecht bei Kinoverfilmungen und Merchandising ihres Helden in die Forbes-Milliardärsliste vorzudringen vermochte und seitdem nicht die geringste Phantasie entwickelt hat, mit ihrem Geld oder ihrem Status die Welt zu verändern?

    Ist es nicht erstaunlich, wie die rührend um die Urheber bemühten Rechteverwerter die Urheberrechtsschutzdauer immer weiter verlängern lassen, sodass laut Lawrence Lessig in „Freie Kultur“ ganze Kulturzweige von der buchstäblichen Vernichtung bedroht sind, weil niemand das brüchige Zelluloid restaurieren bzw. die Filme digitalisieren kann?

    Ist es nicht komisch, dass einige wenige (echte) Superstars mit ihren Filmen und Songs Millionen scheffeln, während alle Welt kritisiert, dass der Nachwuchs vernachlässigt, weil nur noch aus der Retorte produziert wird?

    Warum scheffelt ein oberflächlicher, womöglich minderbemittelter Schlagersänger – ein „Geistesarbeiter“ -, der Songs lediglich zur Unterhaltung und zur Zerstreuung des Publikums unters Volks streut, Millionen, während die Kinder, die seine goldenen Turnschuhe nähen und die Steinkohle für seine Heizung brechen, die also in der Primärindustrie ausgebeutet werden, nicht mal genug Geld zur Ernährung der ansonsten arbeitslosen Familie bekommen? Wo ist da eigentlich die Demut hin?

    Verwerft all Eure Gedanken – und fangt noch mal von vorne an!

    • 10 Buster 29. Juni 2009 um 17:59

      Ein bisschen klingt mir das wie Neid.

      Hier noch etwas zu der Frau die mit 7 einfachen Büchern (150 Millionen, Verkauft in 200 Ländern, übersetzt in 42 Sprachen) so viel Geld verdient hat:
      „Rowling setzt sich für den Erhalt der britischen Kultur und Traditionen ein. Sie ist Ehrenmitglied im Verband für britische Maße und Gewichte (British Weights and Measures Association), der sich für die Beibehaltung des Imperialen Maßsystems ausspricht.
      Rowling ist auch die Präsidentin der schottischen Multiple-Sklerose-Gesellschaft (Multiple Sclerosis Society of Scotland). Sie stiftete mehrfach große Summen zur Erforschung und Heilung dieser Krankheit, an der ihre Mutter starb. Für ihr Engagement erhielt sie den Ehrendoktortitel der Universität Aberdeen.
      Ein nur 800 Worte kurzes „Potter Prequel“ auf einer DIN-A5-großen handbeschriebenen Karte wurde am 10. Juni 2008 in London vom Auktionshaus Sotheby’s für 25.000 Pfund (mehr als 31.500 Euro) versteigert. Den Gesamterlös der Versteigerung, der auch andere Autoren Beiträge zur Verfügung stellten, sollen die englische Sektion der Schriftstellervereinigung P.E.N. und das Legastheniker-Programm Dyslexia Action erhalten.“
      http://de.wikipedia.org/wiki/Joanne_K._Rowling

      Mich stört ihr Erfolg nicht.

  7. 11 le D 29. Juni 2009 um 18:05

    Buster: mach mal folgendes Gedankenspiel: was hätte rowling für die Bücher 3 bis n bekommen, wenn es kein Urheberrecht gegeben hätte.

    • 12 Buster 29. Juni 2009 um 18:38

      Gäbe es dann schon alle 7 Bände?
      Gäbe es die Filme, an denen sich viele Kids und Kinofans erfreut haben und die jetzt schon wieder dem 16 Juli entgegenfiebern?

      • 13 Stefan 29. Juni 2009 um 20:05

        Kommt darauf an, wie sehr die Internetgemeinde das Buch gemocht hätte. Zum Geld, das Frau Rowling dann hätte, kann ich mich hier nicht äußern. Das kommt auf das zugrunde gelegte Vergütungsmodell an. Wenn das Buch sich gleich stark verbreitet hätte, egal unter welchen Bedingungen für die Autorin, hätte es sich auf jeden Fall für einen Film gelohnt, selbst WENN die Verbreitung der DVD ohne Vergütung für die Produzenten möglich gewesen wäre:
        „Das Ergebnis der ersten fünf Tage außerhalb der USA, das für 44 Länder berechnet wurde, liegt bei geschätzten 190,3 Millionen Dollar Kinoeinnahmen.“
        http://www.cinefacts.de/kino/7696/ueber_zwei_millionen_kinobesucher_im_potter_fieber/kinonews.html

        „Wer würde in einem Projekt mit 150 Mio. US-$ Produktionskosten nicht auf die Idee kommen, die beste Crew mit erfahre-nem und erfolgreichem Drehbuchautor und Regisseur auszuwählen?“
        http://www.wulfmansworld.com/Die_besten_Filme/Kinostarts/Harry_Potter_und_der_Orden_des_Phoenix.htm

        Damit lag der Gewinn bereits nach nur 5 Tagen bereits über den Kosten.

        Dass es auch bei freier Verbreitung von Werken einen Hype um bestimmte Werke geben wird, ist sicherlich nicht auszuschließen. Vielleicht funktioniert es da sogar noch besser, da man es leichter verbreiten kann.

        Aber wieso wird hier gesagt „wenn es kein Urheberrecht gegeben hätte“? Das Urheberrecht soll meines Wissens nicht abgeschafft, sondern angepasst werden. Die Zeit bis zur Gemeinfreiheit eines Werkes soll verkürzt werden, allerdings wäre diese je nach Länge (habe 10-15 Jahre gelesen) selbst bei Harry Potter 1 (1997 veröffentlicht, also vor 12 Jahren) erst kürzlich abgelaufen / würde in ein paar Jahren ablaufen.

  8. 14 Piratenkauz 29. Juni 2009 um 20:19

    @Buster:
    Das Geld aus dem Pott soll anteilig je nach Nutzungshäufigkeit (ermittelt durch die Daten der Freiwilligen) verteilt werden. Bedenke bei den absoluten Top-Produkten bzw. AAA-Hollywood-Filme, dass diese weltweit vertrieben werden, wir müssen also mit einem neuen Modell keine 400 Mio Dollar in Deutschland zusammen bekommen… sondern nur ungefähr soviel wie sie zuvor herein bekommen haben.

    Ich bin auch ganz klar für das Leistungsprinzip. Wer etwas besonderes und gutes leistet, soll auch mehr verdienen und ggf. reich werden können.

    Anders als bei der aktuellen GEMA-Vorgehensweise können die Hörer zum Teil durch ihre Nutzung bzw. ihre Vorlieben mitbestimmen wer bis zu 50% ihres Anteiles bekommen soll. Dadurch werden auch junge Künstler besser und direkt gefördert… die im Moment eventuell noch von der Musikindustrie ausgeschlachtet werden oder ein Schattendasein im Keller führen, obwohl es für ihre Musik einen Markt gibt.

    Ziel der Kulturflatrate ist es weiterhin alle Künstler je nach getätigter Leistung zu entlohnen.

    Zum Thema zweite GEZ:
    Es ist nicht so, dass die legalen Käufer die Kosten der Schwarzkopierer mit bezahlen sollen. Es soll so sein, dass sich die legalen Käufer ebenfalls in der neuen Kulturentwicklung „legales Filesharing“ beteiligen sollen. Niemand muss sich ärgern… alle bezahlen gleich viel und haben in Zukunft das gleiche Recht.
    Die Kritik an der fast-Zwangsgebühr GEZ würde sicherlich nicht so groß sein, wenn sich die TV-Zuschauer selbst aussuchen könnten was sie sehen wollen.

    Indirekt bezahlt man schon jetzt über die Steuern Kulturgebühren mit denen Theater und andere Kulturevents am leben gehalten werden… ob man es nun nutzt oder nicht…

  9. 15 Reddog 30. Juni 2009 um 15:20

    Eine insgesamt gute Idee. Dazu sollte man noch bedenken, dass die Kinos nicht plötzlich zumachen werden, bzw. die DVDs immer noch verkauft werden. So wie ich das verstehe soll das lediglich eine Lösung für die Internetverbreitung sein. Dafür ist es aber durchaus eine neue Möglichkeit effektiv Werke zu verbreiten.

    Jetzt muss man nur noch rechnerisch darlegen, ob es auch funktionieren kann und wieviel so eine Flatrate betragen würde.

    Beim aktuellen Stand der Politik ist es aber höchst unwahrscheinlich, dass die Kulturflatrate überhaupt in Betracht gezogen wird.


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