Kulturflatrate = GEMA?

Im heutigen Beitrag möchte ich mich argumentativ und widerlegend den Kulturflatrate-Kritiken und Negativ-Vergleichen mit der GEMA stellen. Zudem will ich auch kurz generell zu Angriffen auf das Pauschalenmodells an sich Stellung beziehen.

Gerne wird die Kulturflatrate mit der unliebsamen GEMA verglichen, da sich die Modelle in Teilbereichen sehr ähneln. Andererseits gibt es auch weitreichende Unterschiede. Die GEMA muss viel berechtigte Kritik einstecken, denn es gibt in ihrem System noch viele Probleme. Jedoch bin ich davon überzeugt, dass die GEMA in der Theorie ein gutes und gerechtes Modell ist, in der Praxis aber erhebliche Mängel aufweist. Ich glaube auch, dass sich viele dieser Probleme lösen und andere mildern lassen.

KF-Vorteil gegenüber GEMA: Privatkopie wird legal

Dadurch, dass auch die Gebühren von Privatleuten bei der Kulturflatrate Teil des Pauschalenvergütungssystems sind, begleichen sie dadurch ihre Schuld bei den Künstlern. So wie es bei Konzerten oder Discotheken indirekt über den Eintrittspreis schon tägliche Praxis ist.

KF-Vorteil gegenüber GEMA: Besserer Einfluss, gerechtere Verteilung

Die GEMA nutzt als Grundlage für die Geldverteilung vor allem die Setlisten der Interpreten bei Konzerten. Ich konnte zwar keine Quelle finden die das zweifelsfrei bestätigt, jedoch glaube ich, dass sie auch noch auf die Playlisten der Radiostationen zugreifen. Daten aus der Privatnutzung oder aus der Diskonutzung werden nicht berücksichtigt.

Die zweite Komponente ist ein komplexes Berechnungs- und Punktesystem, welches sich an der Musikstücklänge und dem technischen Aufwand orientiert. Beispiel aus Wikipedia: Ein einzelnes Lied aus der Popmusik wird beispielsweise mit 12 Punkten bewertet, ein mit großem Orchester instrumentiertes Werk von mehr als sechzig Minuten Dauer dagegen mit 1.200 Punkten.

Auf Grund unserer Musikkultur führt das dazu, dass besonders in der Öffentlichkeit oft gespielte (massenkompatible) Musikstücke gegenüber Nieschenmusik (die hauptsächlich privat gehört wird) deutlich im Vorteil sind. Bei der Kulturflatrate wird dieser Effekt deutlich abgeschwächt. Denn hier werden zum einen freiwillige Nutzungsdaten berücksichtigt, die dem echten Hörverhalten deutlich näher kommen. Zudem können die Nutzer selbst bestimmen wem sie bis zu 50% ihres Beitrags zukommen lassen möchten.

Zur Verteidigung: Die Pauschalgebühr ist ungerecht.

Die Argumentation hinter diesem Kritikpunkt lautet, dass alle Nutzer von Breitbandinternetanschlüssen dazu gezwungen werden die Pauschale zu bezahlen, egal ob sie das Angebot nutzen oder nicht. Tatsächlich betrifft diese Regelung alle Breitbandinternetnutzer (Internetanschlüsse für Unternehmen könnten anders geregelt werden), ob sie wollen oder nicht.

Ziel der Pauschale ist es ja, dadurch einen wichtigen Kulturbereich soweit zu finanzieren, dass dieser frei und von allen genutzt werden kann. Wenn man sich ein bisschen umschaut findet man diese „Finanzierung durch die Allgemeinheit für alle“ auch in vielen anderen Kulturbereichen, zum Teil oder als Zuschuss… ob man sie nutzt oder nicht. Beispiele aus dem Kulturbereich sind z.B. Museums, Theater, Opern, Kulturfeste und -veranstaltungen. Aber auch außerhalb des Kulturbereiches findet man viele Beispiele, wie eine Leistung von der Allgemeinheit für alle finanziert wird.

Zur Verteidigung: Die Ehrlichen bezahlen also die Raubkopierer

Ein weiteres Gegenargument „Die ehrlichen Nutzer müssen also nun auch noch für die Raubkopierer bezahlen“ möchte ich auch erwidern. Ab dem Zeitpunkt an dem eine Kulturflatrate eingeführt wird, gibt es keine Unterscheidung mehr zwischen Ehrlichen und Raubkopierern, sondern nur noch zwischen Nutzern und Nichtnutzern. Denn auch diejenigen die bisher ihre Musik legal gekauft haben, dürfen und können von da an auch das legale Filesharing betreiben. Niemand muss sich ärgern… alle bezahlen gleich viel und haben in Zukunft das gleiche Recht.

Zur Verteidigung: Eine Pauschalvergütung ist doch Planwirtschaft

Auch wenn es ähnlich wie in der Planwirtschaft ein relativ festgelegtes Budget für z.B. die Musikbranche geben wird, vergessen die Kritiker das zweite wichtige Kriterium der Planwirtschaft: Die Planung. Die Kulturflatrate beabsichtigt bestimmt nicht den Künstlern vorzuschreiben wie viele Songs sie zu schreiben haben und wie viel Budget sie dafür bekommen. Wie in der freien Marktwirtschaft streiten die Wettbewerber bei der Kulturflatrate um den Gesamtbranchenumsatz. Natürlich ist es richtig, dass der Branchenumsatz in der freien Marktwirtschaft eher Schwankungen unterliegt, jedoch könnte man sich auch für Berechnungsmodelle vorstellen, welche die Pauschalenhöhe an die Leistung der Branche anpasst – auch wenn dies nicht einfach ist.

Als weiteren Punkt gilt zu beachten, dass die Musiker ja nicht nur durch die Kulturflatrate Geld verdienen. So können durch Konzerte, das optionale CopyCan-Modell, kommerzielle Musiknutzung usw. zusätzliche Einnahmen und Wachstumsraten realisieren.

Zur Verteidigung: Die Kulturflatrate ist auch keine GEZ

Ich habe manchmal das Gefühl, dass einige Leute die Erfahrungen und Probleme der GEMA und die der GEZ vermischen oder durcheinander bringen. Da sowohl die GEMA als auch die GEZ ein schlechtes Image haben und auch beide über ein Pauschalenmodell Geld eintreiben, färben die negativen Erfahrungen aufeinander ab.

Das schlechte Image der GEZ kommt meiner Meinung nach vor allem durch ihre Hartnäckigkeit alle theoretischen Abspielgeräte mit hohen Gebühren zu belegen, als auch durch die Praxis das die Gebühren ausschließlich an die öffentlich-rechtlichen Sender vergeben werden, für deren Ausstrahlungen man sich eventuell überhaupt nicht interessiert.

Die Befürchtung kann man ausräumen. Das Geld der Kulturflatrate soll an alle Künstler die ihre Werke registrieren verteilt werden – nicht nur an die großen Plattenlabels die eventuell nicht den persönlichen Geschmack treffen.

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1 Response to “Kulturflatrate = GEMA?”


  1. 1 Fritz 9. Juli 2009 um 15:39

    Nee, lieber Pirat, die Kulturflatrate ist ein falsches Konzept, und Privatleute haben auch keine Schuld gegenüber Künstlern zu begleichen, wie du das schreibst. Lass dich nicht so von der Big-Music-Propaganda beeindrucken. Urheber haben nur Anspruch auf Vergütung bei kommerzieller Nutzung ihrer Werke. Deswegen liegt auf CD-Rohlingen und MP3-Playern auch eine Pauschalabgabe, der Hersteller dieser Dinge verdient nämlich Geld mit dem Ermöglichen von Privatkopien. Auch diese Pauschalabgabe zählt übrigens zu den Gema-Einnahmen. Was fehlt, ist eine Pauschalabgabe auf Internetanschlüsse, da Telekomunternehmen Geld mit dem Ermöglichen von Privatkopien via Internet verdienen.

    fritz, 11k2


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