Archive for the 'Bildung' Category

Freiheit, Individualität und Demokratie für die Schulen

Angeregt durch mehrere interessante Sendungen des ZDF Bildungsschwerpunkt „Klasse ’09“ habe ich einige interessante Meinungen von „Experten“ aufgeschnappt, die sich meiner Ansicht nach dazu eignen Einfluss auf die Meinung der Piratenpartei zu nehmen. Schließlich wollen wir ja von Experten lernen. Empfehlen kann ich hierzu die Diskussion im ZDF Nachstudio vom 11.10.2009.

Wenn man den Expertengesprächen einige Zeit folgt, kann man folgende Erkenntnisse gewinnen:

  • Es gibt kein „perfektes“ Schulsystem, sondern nur eine Vielzahl unterschiedlicher Modelle, die je nach Kind besser oder schlechter geeignet sind.
  • Der Staat schadet mit seiner Regulierungswut der Weiterentwicklung der Schule, sowie den individuellen Bedürfnissen von Klassen oder Einzelschülern.

Auf Grund dieser Aussagen, habe ich mir Gedanken zu einem Schulsystem gemacht, in dem es darum geht zwei Ziele zu erfüllen:

1. Die Pädagogen soll der größtmögliche Freiraum geboten werden, ihrer Aufgabe mit unterschiedlichen Konzepten nachzukommen.

2. Die Schulen sollen weitgehende Eigenständigkeit besitzen und in einem qualitativen Wettbewerb zueinander stehen.

Die Rahmenbedinungen

Diese Ziele erreicht man meiner Meinung nach durch folgende Rahmenbedingungen:

– Die Schulen müssen sich selbst verwalten. Die Schulen sollten für jeden Schüler (je nach Klassenstufe) einen festgelegten Betrag bekommen, über den sie weitgehend frei verfügen können. Ausgenommen sind große Investitionen wie Neu- und Anbauten, sowie Anschaffungen über 10.000 €. Diese bedürfen weiterhin eines Genehmigungsverfahrens, dass auch ausdrücklich bezuschusst werden kann/soll.

– Schulen sollen demokratisch organisiert werden. Zum Beispiel sollen Lehrer und Vertreter der Eltern den Rektor der Schule auf Zeit wählen.

– Die Schulen entscheiden selbst über ihre Unterrichtsform und die pädagogische Herangehensweise; ob klassisch oder Reform-Pädagogisch.

– Schulnoten und Zeugnisse werden erst ab der 8. Schulklasse zur Pflicht.

– Pro 500 Schüler ist ein Schulpsychologe einzustellen. Mindestens jedoch einer pro Schule.

– Zum Erreichen eines Abschlusses sind staatliche Prüfungen notwendig, die für alle Schulen gleich sind.

Durch diese großen Freiheiten, lassen sich viele pädagogische Potentiale ausnutzen, wodurch ein qualitativer Wettbewerb stattfindet. Damit aus dem qualitativen Wettbewerb aber kein finanzieller Wettbewerb wird, muss es weiterhin gewisse Kontrollen geben.

Entspricht das der Piraten-Philosophie?

Doch warum sollte ausgerechnet dieses Bildungsmodell in das Programm der Piratenpartei passen? Oder: Wie lässt es sich aus dem Parteiprogramm der Partei ableiten?

– Die zusätzliche Demokratisierung der Schule dürfte auf jeden Fall im Sinne der Piratenpartei sein; so wie sie auch in anderen Bereichen angestrebt wird.

– Auch die Stärkung von Freiheiten (solange diese nicht zu Ungerechtigkeiten führen) und Individualisierung dürfte im Sinne der Piraten-Philosophie sein.

Meine Absicht

Mein zentrales Anliegen ist es einen Denkprozess (unter allen Beteiligten und Experten) anzustoßen, ob es denn nun überhaupt notwendig ist, ein neues, hochkomplexes, allgemeines Staats-Schulsystem auszuarbeiten, dass für alle Schulen gilt.

Meiner Einschätzung nach – abgeleitet aus dem was ich von Pädagogen erfahren habe – gibt es kein ultimatives Modell, sondern viele unterschiedliche pädagogische Philosophien, die je nach Individualität der Schüler besser oder schlechter passen.

Deshalb spreche ich mich dagegen aus, ein neues „Super-Schul-System“ zu küren, welches man (wie das alte) durch Überregulierung durchzusetzen versucht.

Natürlich handelt es sich hierbei nicht um den ausformulierten Vorschlag eines Experten. Aber dennoch glaube ich einige wichtige und entscheidende Expertenaussagen mit piraten Idealen kombiniert zu haben. Schlussendlich ist es aber dennoch eine persönliche Sicht auf dieses Thema.

Piratenkauz

Eine Alternative zur aktuellen Studiengebühr

Heute möchte ich mich mal mit einem ganz anderen Thema beschäftigen: Die Studiengebühren. Schon seit der ersten größeren Diskussionswelle vor einigen Jahren, habe ich mir mal im Stillen einige Gedanken zu diesem Thema gemacht. Mein Ziel war es abseits der zwei üblichen Standpunkte „für Studiengebühren“ oder „gegen Studiengebühren“ alternative Ideen zu entwickeln. Und da sich die Piratenpartei aktuell nicht in das politische Spektrum einteilen lässt und lassen möchte, bietet es sich gerade zu an, auch über Möglichkeit auch über Lösungen aus der Mitte des politischen Spektrums nachzudenken.

Da die wichtigsten Standpunkte über den Streit der Studiengebühren schon alle vielfach gesagt worden sein dürften, will darauf nicht weiter eingehen. Vielmehr will ich gleich zu meiner Überlegung kommen, wie kann man den Konflikt „die Bildung muss den Studenten mitfinanziert werden vs. freie Bildung“ auflösen könnte, ohne eine der beiden bekannten, äußeren Positionen betreten zu müssen. Also weder für die von Studenten kaum finanzierbare und sozial ungerechte Studiengebühr, noch für die Auffassung, dass der Staat alles bezahlen soll und muss.

Das Hauptproblem der Studiengebühren ist ja bekannterweise, dass diese während des Studium von den nichtverdienenden oder wenigverdienenden Studenten kaum bezahlt werden können. So werden viele junge Leute aus finanzschwachen Familien von diesem Bildungssystem geradezu ausgeschlossen.

Meine nun folgende (zugegeben noch unausgereifte) Roh-Idee versucht dieses Problem zu lösen, sowie auch einige weitere positive Effekte zu kombinieren. Es sollte jedem Leser klar sein, dass diese Idee keine komplett durchdachte Forderung ist, sondern ausschließlich ein kleiner Denkanstoss für alle Interessierten dieses Themas.

Vorschlag: Nachträgliche Studienvergütung

Das Ziel der nachträglichen Studienvergütung ist es, dass die Studenten während ihres Studiums eine kostenfreie Bildung erhalten. Hat der Studierende sein Studium erfolgreich abgeschlossen und befindet sich darauf in einem Arbeitsverhältnis mit einem Jahresbrottoeinkommen gleich oder größer 30.000 €, so wird eine nachträgliche Studienvergütung fällig. Diese beträt ca. 5% und besitzt wie die Kirchensteuer als Bemessungsgrundlage die Einkommensteuer bzw. Lohnsteuer. Der Empfänger dieser Vergütung ist die Lehranstalt in der man studiert hat. Die nachträgliche Studienvergütung ist sowohl zeitlich als auch von der Betragshöhe her unbegrenzt.

Vorteile

  • Das Studium ist nun nicht mehr von der Finanzierbarkeit der Studiengebühr abhängig => Soziale Gerechtigkeit.
  • Es entfällt somit die zusätzliche finanzielle Belastung während des Studiums.
  • Die Lehranstalten haben ein finanzielles Motiv an guten Studiengängen, Betreuung und Arbeitsplatzvermittlungen. Sie werden nun für ihre Erfolge belohnt. Die Belohnung sind viele, hoch bezahlte Abgänger die monatlich etwas von ihrem Erfolg zurückgeben.
  • Die Lehranstalten erhalten bei Top-Abgängern deutlich mehr Geld als über Studiengebühren + es gibt einen kontinuierlichen Geldfluss. Das bedeutet im Endeffekt mehr Geld für Bildung.
  • Durch die Fälligkeitsgrenze von 30.000 € (muss evaluiert werden), werden die Abgänger mit gehaltsschwächeren Arbeitsstellen nicht zusätzlich belastet.

Nachteile

  • mehr Bürokratie (dürfte aber im IT-Zeitalter auch automatisierbar sein)
  • Studierte müssen ein Leben lang für ihr Studium bezahlen.
  • Studierte die ins Ausland abwandern, können so eventuell ihrer Schuld entfliehen.

Gegen die Ausnutzung

Um dieses System in Zukunft nicht zu lähmen oder es für „Schmarotzer“ attraktiv zu gestalten, sollte die nachträgliche Studienvergütung nur für die Regelstudienzeit (+ max. 1 Semester) gelten. Alle zusätzlichen Semester sollten weiterhin mit den vollen, sofort u bezahlenden Studiengebühren belastet werden.

Eine Anmerkung zum Schluss

Sieht man einmal von dem gerade eben getätigten Vorschlag der nachträglichen Studienvergütung ab, und müsste ich mich für eine Standardposition in dieser Diskussion entscheiden, wäre ich natürlich (allein aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit) gegen Studiengebühren. Jedoch versuche ich hier zumindest einige Argumente der gegnerischen Position nachzuvollziehen. Da auch diese nicht alle haltlos sind.

Euer Piratenkauz