Archive Page 2

Kritik am CopyCan- bzw. Pre/Post-Release-Modell

Heute möchte ich, aus aktuellem Diskussionsanlass im Piratenpartei-Forum über die Nachteile und Probleme des CopyCan- bzw. Pre/Post-Release-Modell sprechen. Natürlich gilt auch hier wie bei der Kulturflatrate „einen Tod muss man sterben“, jedoch sehe ich die Nachteile von CopyCan als kritisch an. Jedoch fände ich es Verkaufsoption in Kombination mit einer Kulturflatrate akzeptabel. Auch wenn sich die Beispiele der nachfolgenden Kritikpunkte hauptsächlich auf die Musikbranche beziehen, gelten sie zu weiten Teilen auch in den Bereichen Filme, Software und Bücher.

Das Werbeproblem

Der Erfolg vieler Musikalben lebt nicht nur vom Künstlername sondern auch von der direkten (Werbespot) oder indirekten (Trailer-, Film-, Unterhaltungsmusik) TV- und Radiowerbung… vor allem bei jungen Künstlern. Auf diesen Effekt muss man jedoch verzichten. Natürlich kann man auch beim CopyCan-Modell zuvor ein oder zwei Lieder veröffentlichen, jedoch steht der Künstler vor einem Problem: Wenn man sein bestes Lied vorab veröffentlicht, sinkt der Anreiz das Album zu kaufen. Wenn man nur ein mittelmäßiges Lied veröffentlicht bleibt der Erfolg aus. Ein weiteres Problem ist, dass man als erstmal darauf aufmerksam werden muss, dass irgendwo in einem Internetportal ein Welthit schlummert.

Das Trägheitsproblem

Was vielleicht am Anfang noch gut funktioniert, kann einige Wochen später schon wieder ganz anders laufen. Die Trägheit eines nicht zu unterschätzenden Bevölkerungsanteils wird mit der Zeit dazu führen, dass diese sich nicht mehr mit dem Durchforsten von CopyCan-Angeboten beschäftigen wollen, sondern sich eben mit dem zufrieden gibt, was schon freigegeben wurde. Dieser Effekt verstärkt sich auch durch die unten aufgeführten Probleme: „Wenige bezahlen für alle“-, „Kein Vorteil“- und „Nachfragemonopol-Problem“.

Das „Wenige bezahlen für alle“-Problem

Es gibt unter den Menschen viele verschiedene Grundeinstellungen: Sie reichen von Selbstlosigkeit und Idealismus bis zu Egoismus und Schmarotzertum. Die meisten CopyCan-Teilnehmer müssen zumindest bereit sein, für ein kommerzielles Produkt zu bezahlen, dass ihnen (gegenüber der Allgemeinheit) keine zusätzlichen Vorteile bringt.

Anmerkung: jedoch wäre es denkbar, dass man allen Bezahlenden mit einem Preisnachlass für ein Konzertticket dankt oder mit Fanartikeln und dergleichen. Einen Produktvorteil erhält man allerdings nicht.

Das „hohe Angebotspreise“-Problem

Die Preise der CopyCan-Angebote wären, wie man anhand desfolgenden Beispiels sieht, sehr hoch. Diese Geldsummen sind allein durch freiwillige Abgaben schwer zu erreichen. Eine 4-köpfige Band mit Manager, Produzent und Techniker kann ca. 1 Album pro Jahr (bei guter Qualität) veröffentlichen. Um die Grundeinkunft der Musiker zu sichern, müssen wohl pro Mitarbeiter mindestens ca. 12.000 bis 15.000 € im Jahr reinkommen. Den Rest des Jahresgehaltes kommt durch Auftritte und andere Deals herein. So müsste die Band gut 80.000 € bis 100.000 € pro Album verlangen, damit es sich überhaupt lohnt. Nicht mit eingerechnet sind die Produktionskosten und eventuelle Vermarktung usw.. In anderen Produktbereichen (wie millionen Dollar teuren Hollywood-Produktionen) liegt der Preis noch höher (trotz Kinobesuchen und internationaler Vermarktung).

Das „Zu viele Angebote“-Problem

Neben den hohen Geldforderungen die durch so ein Angebot aufkommen,  verteilt sich die Zahlungsbereitschaft der Nutzer auf eine riesige, unüberschaubare Anzahl von Angeboten. Ich schätze mal, dass pro Tag mindestens 10 Musikalben veröffentlicht werden. Die Zahl wird eher noch höher sein (zum Vergleich: in der Filmbranche sind es über 3000 Filme im Jahr). Neben diesen vielen Musikalben konkurrieren auch noch andere Produkte auf CopyCan (Filme, Programme, Bücher usw.). Wenn sich nun das Geld das jeder User bereit ist herzugeben auf unzählige Produkte verteilt (und der Gelbetrag wird dann noch weniger sein, als der heutige Durchschnittsuser ausgibt), dann wird es noch schwiriger viele Angebot auch wirklich zu erfüllen.

Das „von anderen abhängig sein“-Problem

Zwar bekommt man, sollte ein Angebot nicht veröffentlicht werden, sein Geld zurück, muss dann jedoch auch auf das Produkt verzichten, dass man sich (wäre man nicht von anderen Mitkäufern abhängig) auf jeden Fall gekauft hätte. Der Erfolg hängt also davon ab, ob es genügend Leute gibt, die das „Wenige bezahlen für alle“-Problem überwinden. Ohne CopyCan hätten die Künstler in diesem Beispiel wahrscheinlich in einem Direktverkauf  (trotz Schwarzkopien) mehr Geld eingenommen, da jeder Konsument für sich ein Geschäft mit dem Künstler eingeht und nicht von anderen abhängig ist.

Das Zielgruppen-Problem

Die Bezahlbereitschaft auf Internetportalen hängt eindeutig von der Zielgruppe ab. Musik für Kinder und ältere Generationen und Senioren wird sehr darunter zu leiden haben, da dieses System in diesen Bevölkerungsschichten nicht genutzt oder verstanden wird. Zudem neigen die Bezahlenden eher dazu ihre Lieblingsband zu unterstützen, statt die Lieblingsband ihres Kindes oder die Lieblingsmusik der Großeltern.

Das Problem mit dem Nachfragemonopol

Auch wenn es von den Leuten nicht beabsichtigt ist: Allein aus den vielen der oben genannten Kritikpunkte entsteht mit der Zeit automatisch ein Nachfragemonopol. Denn egal wie stark die Zahlungsmoral mit der Zeit schwindet, vielleicht weil alle hoffen das die anderen schon bezahlen werden oder auf Grund eines anderen Kritikpunktes, der Künstler wird sein Werk wohl in fast allen Fällen veröffentlichen müssen. Denn selbst, wenn er bei weitem nicht genug Geld zusammen bekommt, wird er sein CopyCan-Angebot und somit das Geld annehmen müssen, um zumindest die Produktionskosten teilweise abzudecken. Der Künstler ist also dazu gezwungen fast jedes Angebot zu akzeptieren. Denn es gibt nur einen Abnehmer: Die Allgemeinheit in ihrer Gesamtheit. Die Konsumenten besitzen durch ihre gemeinsame Finanzierung  des Produkts (nach dem Prinzip: entweder für alle oder für keinen) ein Nachfragemonopol. Dieser Effekt verstärkt sich weiter, wenn die Leute bemerkten, dass so oder so jedes Lied veröffentlicht wird, egal ob sie Geld an CopyCan abgeben oder nicht.

Kommentare sind erwünscht 😉

Piratenkauz

Edit: Einige sprachliche Fehler sowie Rechtschreibfehler korrigiert

Der moderne, gläserne Staat

Ahoi!

Im Forum der Piratenpartei fand ich vor einiger Zeit eine Diskussion zum Thema „OpenSource Software in Behörden„. Zusammenfassend ging es darum mehrere Ideale, welche die Piratenpartei befürwortet und fördert, in die Behörden zu bringen. Dies soll sich vor allem in der eingesetzten Software äußern, dem heute wohl wichtigsten Werkzeug der Beamten.

Kernpunkte für OpenSource:

  • gegen Monopole (Microsoft Windows)
  • gegen Patente (OpenSource Code wird nicht patentiert)
  • OpenAccess, Transparenz: daraus resultieren ebenfalls Vorteile in Sicherheitsfragen
  • Closed Source Software kann nicht geprüft werden, in kritischen und besonders schützenswerten Dienststellen dürfte derartige Software deshalb nicht eingesetzt werden
  • langfristig Kosteneinsparungen im Vergleich zu Windows (Lizenzkosten entfallen vollständig)
  • keine Abhängigkeiten zu einem Hersteller

Während ich diese Diskussion durchgelesen habe, sind mir wieder einige ziemlich alte Ideen in den Kopf gekommen, über die ich schon vor Jahren einmal nachgedacht habe. Diese Ideen zum E-Government und speziell E-Administration möchte ich nun auch nochmal zum besten geben:

  • Die EDV-Systeme der Behörden sollten grundlegend, und mit entsprechenden finanziellen Ressourcen, umgebaut und mit entsprechend offener, modularer und sicherer Software ausgestattet werden. Kernpunkte sind offene Dateiformate, hohe Sicherheit, hohe Kompatibilität, offene Schnittstellen und die Möglichkeit den Bürger Einblick über seine gesammelten Daten zu erhalten. Diese ganzheitliche Verwaltungssoftware soll in der Endphase nahezu alle Teilbereiche der Beamtenarbeit zusammenfassen. So dass die Bürgerdaten in Zukunft nicht mehr in unzähligen, getrennten System redundant gepflegt werden, unsicher lagern und unkontrolliert „wuchern“.
  • Jeder Zugriff (eines Beamten) auf die persönlichen Daten eines Bürgers muss lückenlos mit Namen, Datum und Grund im System protokolliert werden und dieses Protokoll muss jederzeit vom Bürger (bei Verlangen auch über das Internet) einsehbar sein.
  • Jeder Bürger sollte die Möglichkeit bekommen, alle zu seiner Akte gesammelten Dokumente, Bemerkungen, sowie den Status aller Anträge und Vorgänge einzusehen.
  • Alle amtlichen Anträge und Vorgänge sollten bei der Bearbeitung soweit anonymisiert werden müssen, dass für den Bearbeitenden nur die nötigsten Daten sichtbar werden. Eine zufällige, rückschlusslose Nummer soll als Referenz auf den Bürgerdatensatz dienen. Weitgehend anonymisierte Anträge haben den Vorteil, dass der Beamte seine Entscheidungen neutral fällt und nicht nach dem (bekannten) Namen ausrichtet. Der Missbrauch fällt schwerer.

Und weil sich meine Gedanken natürlich nicht auf ein Themengebiet beschränken können 😉 setzte ich noch einen drauf:

  • Ich bin dafür ein unabhängiges Amt für „Bürgerrechtsschutz und Staatsüberprüfung“ (eine Art 4. Gewalt, welche die Exekutive überwacht) einzuführen. Das Amt ermittelt und prüft nach Datenmissbrauch, den Datenschutz der Bürger und überprüft die Staatsangestellten (Beamte) und Abgeordnete nach Korruption und Amtsmissbrauch. Und um die Prüfer resistenter gegen Bestechung zu machen, erhalten diese für jeden aufgedeckten Fall eine Belohnung. Diese Fahnder selbst wiederum, müssen ihre Konten offen legen und werden von der Judikative geprüft. Das Amt soll mehr als nur ein Datenschutz-Amt sein, es soll so zu sagen als aktive Kontrollinstanz von Beamten, Abgeordneten und Regierung agieren.

Hmmm… irgendwie gefällt mir das… 😉 ich könnte mir diese Punkte gut bei der Ausarbeitung von konkreten Umsetzungsvorschlägen zum Parteiprogrammpunkt „gläserner Staat“ vorstellen. Ich werde mir nochmal weitere Gedanken dazu machen.

Was meint ihr zu diesem (zugegeben nicht ganz so populären) Thema?

Ahoi Piratenkauz

Urheberrecht oder Verwertungsrecht?

Bisher wurde in den Diskussionen um die Forderung die Privatkopie zu legalisieren immer vom Urheberrecht gesprochen. Jedoch scheint diese Forderung nicht das Urheberrecht sondern das Verwertungsrecht zu betreffen.

Urheberrecht (Wikipedia):

Das Urheberrecht ist der Teil einer Rechtsordnung, der in einem Rechtssystem das Recht des Urhebers an seinen Werken (subjektives Urheberrecht) schützt (objektives Urheberrecht). Dieser Schutz berücksichtigt wirtschaftliche Interessen und Ideale des Urhebers am Werk, wird aber zur Wahrung der Interessen der Allgemeinheit eingeschränkt (Schranken des Urheberrechts, zum Beispiel Zitatrecht und Privatkopie). Das Copyright des anglo-amerikanisches Rechts ist ein ihm verwandtes Rechtsinstitut.

Verwertungsrecht (Wikipedia):

Das Verwertungsrecht des Urhebers eines Werkes im Sinne des Urheberrechts umfasst das Vervielfältigungsrecht (§ 16 Urhebergesetz), das Verbreitungsrecht (§ 17 UrhG) und das Ausstellungsrecht (§ 18 UrhG).

Wenn ich das also richtig verstanden habe (ansonsten macht der folgende Beitrag wenig Sinn), dann müsste die Piratenpartei in Zukunft eine „Reform des Verwertungsrecht“ statt eine „Reform des Urheberrechts“ fordern.

Vielleicht kann man durch so eine spezifizierte Forderung auch Missverständnissen und juristischen Diskussionsfallen entgehen, sowie dem politischen Gegner das Futter nehmen. Schließlich finden sich auf den Schiffen unserer politischen Gegner auch einige Juristen.

Legalisierte Privatkopie: Wie könnte man die Schaffenden vergüten?

Das Thema Urheberrecht im Bezug auf die Legalisierung der freien Privatkopie – also das z.B. das straffreie Tauschen von Musik und Filmen usw. über das Internet – gilt wohl als eines der umstrittensten Standpunkte in der Parteipartei. Denn anders als z.B. beim Themen Anti-Zensur oder Datenschutz verteidigt die Piratenpartei hier nicht nur die Freiheitsrechte, sondern geht selbst zum Enterangriff über. Das Urheberrecht soll laut Parteiprogramm grundlegend reformiert und liberalisiert werden. Das Erstellen, Besitzen und Verbreiten von privaten Musik- oder Filmkopien soll nicht nur legalisiert, sondern sogar gefördert werden. Mit zwei zentralen Begründungen: Erstens weil dadurch ein beachtlicher Kulturzuwachs im Amateurbereich zu erwarten ist und zweitens um der aktuellen Wirklichkeit in der Internetkultur einen rechtlichen Rahmen zu geben und nicht ein halbe Generation zu kriminalisieren.

Die Kritiker

Natürlich ist es richtig, dass viele Kritiker erstmal sagen, es handelt sich dabei um eine Straftat; und bei der geforderten Neuregelung um eine Enteignung. Der Hintergrund für diese Tatsache ist natürlich, dass die Leistungsträger befürchten jetzt auch noch ihr Anrecht auf Vergütung ihre Werke zu verlieren. Dies darf meiner Meinung nach auch auf keinen Fall passieren.

Doch wie kann man faire Vergütung und freie Kopierbarkeit unter einen Hut bringen?

Zu dieser Fragestellung haben sich schon viele Leute mit unterschiedlichen Überlegungen und Ideen geäußert. Einen Königswegs, der alle Ansprüche aller Kritiker zu 100% erfüllt, konnte nach meinem aktuellen Erkenntnisstand allerdings nicht gefunden werden. Egal welche Lösung man wählt: „Einen Tod muss man also sterben“.
Welche Möglichkeiten gibt es dann?

Meiner Einschätzung nach gibt es nur drei Möglichkeiten:

  1. Alles so belassen wie es ist. Mit der Konsequenz das niemand glücklich ist.
  2. Das gesamte Internet überwachen (über das China-Niveau hinaus), drakonische Strafen einführen und eine halbe Generation kriminalisieren.
  3. Eine „Kulturflatrate“-Vergütung mit der bestmöglich machbaren Umsetzung um die größten Nachteile (die man von der GEMA kennt) zu minimieren.

Gibt es keine weiteren Möglichkeiten?

Doch! Und deren Existenz will ich auch nicht verschweigen. Jedoch bin ich davon überzeugt, dass diese alternativen Modelle wie das Spendenmodell (GEMA 2.0) oder das CopyCan-Modell (Vorverkauf) das Problem nicht allein lösen können. Eventuell werde ich mich in einem zukünftigen Beitrag äußern und erklären, warum ich diese nur in Kombination mit einer Kulturflatrate für tragbar halte. Für diesen Beitrag stelle ich die Modelle auf Basis „freiwilliger Zahlungen“ jedoch erstmal in den Hintergrund. Denn so ideell, freiheitlich und optimistisch diese sind, die Schaffenden werden darunter noch weiter zu leiden haben. Selbst der idealistischste Berufskünstler will mit seiner Arbeit Geld verdienen. Die Folgen für die professionelle Schaffenskunst wären auf jeden Fall katastrophal, wenn nicht sogar kulturschädigend.

Nun also die Kulturflatrate?

Ich gehe mal schwer davon aus, dass nur die dritte der oben genannten Möglichkeiten für die Piratenpartei in Frage kommt: Die Kulturflatrate. Die mancher Kritiker gelegentlich auch als „Super“-GEMA, Planwirtschafts-Vergütung oder „Ungerechte Zwangsabgabe“ schimpft. Und ja, tatsächlich hat das Modell der Kulturflatrate eine ganze Liste von Nachteilen, über die man nicht hinwegsehen darf. Dennoch ist es das einzige Modell das die Kernforderung einer fairen und vor allem ausreichenden Künstlervergütung wenigstens weitgehend erfüllt.

Kulturflatrate – ein Hort voller Probleme

Als die wohl meistgenannten Probleme der Kulturflatrate gelten wohl unter anderem fehlende Erfolgsdynamik, Schwierigkeiten bei der Abgrenzung, Vergütungsquoten, Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit, Eingriff in die persönliche Freiheit, GEMA-System, Ungerechtigkeit pauschaler Abgaben, Verwaltungsaufwand, Internet-Überwachung sowie die Wahrung Internationale Harmonie (Quelle: Piratenwiki). Die Liste der Kritik ist lang, dass wird auf jeden Fall klar. Dennoch halte ich keinen dieser Kritikpunkte für so drastisch, dass er eine Kulturflatrate tatsächlich disqualifizieren würde. Und wie schon angekündigt „muss man eh einen Tod sterben“ und die Alternativen sind noch schwächer.

Dass die Grundidee der Kulturflatrate kein absolut unrealistisches Szenario ist, zeigt sich in meinen Augen auch darin, dass sie SDP und die Grünen die Kulturflatrate in ihr Wahlprogramm aufgenommen haben.

Vorschläge!?!

Genug der langen Worte… praktikable Vorschläge sind gefordert! Ich in Zusammenarbeit mit einigen Diskussionsteilnehmern im Piratenpartei-Forum folgendes zusammengeschustert:

Kulturflatrate
Die Kulturflatrate ist eine monatlich zu entrichtende Pauschale, die für alle Nutzer von Breitbandinternetanschlüssen und ggf. Handy-Internet-Users anfällt, und entsprechend der Bandbreite gestaffelt ist. Diese Pauschale deckt die Bezahlung aller digitalen Werke und Produkte der Künstler, Produzenten, Hersteller und Rechteinhaber ab.

Welche Vorteile habe ich durch die Kulturflatrate?
Ob Sie nun bezahlender Teilnehmer der Kulturflatrate sind oder nicht, seit der Einführung der Kulturflatrate ist die Verbreitung, Nutzung und Weitergabe von digitalen Werken, Daten und Programmen für private nicht-kommerzielle Zwecke absolut kostenfrei. Da die Verbreitung und der Austausch dieser Werke vor allem über Breitbandinternetanschlüsse geschehen, werden speziell diese mit den Kosten der Kulturflatrate belastet. Dafür stehen den Nutzern eines Breitbandinternetanschlusses die meisten und schnellsten Angebote zur Verfügung. (Anmerkung: Eventuell sollten auch Papierkopien berücksichtigt werden)

Wer genau bekommt denn meinen Geldbeitrag?
Das ist zu großen Teilen Ihnen überlassen. Die Kulturflatrate bietet ihnen mehrere Möglichkeiten, aus denen Sie frei wählen dürfen:

1. Ihr Beitrag zur Kulturvergütung soll zu 100% auf Grund des offiziellen Verteilungsschlüssels, beruhend auf den bekannten Nutzungsdaten, anteilig an die Kulturschaffenden verteilt werden. An einer Datenerfassung nehmen Sie nicht teil.

2. Sie können ihren Geldanteil entsprechend ihres Nutzungsverhaltens verteilen. Deshalb erklären Sie sich damit einverstanden, dass ein Großteil ihrer anonymisierten Nutzungsdaten von einem Computerprogramm aufgezeichnet und bei der offiziellen Internetplattform XYZ oder bei einer zertifizierten Partnerplattform ihrer Wahl hinterlegen. Als Gegenleistung für ihre absolut anonymisierten und nicht rückverfolgbaren Daten erhalten sie XYZ-Punkte, mit welchen sie sich mehrere exklusive Vorteile und Vergünstigungen sichern können. Wählbare Teilbereiche für die Protokollierung sind Musiknutzung, Filmnutzung, Softwarenutzung und Tauschbörsennutzung.

3. Sie bestimmen auf der offiziellen Internet-Plattfom selbst, an welche Schaffenden Sie bis zu 50% ihres Pauschalberages verteilen möchten. Die anderen 50% Ihres Beitrages werden auch entsprechend Punkt 1 auf die Künstler anhand der allgemein vorhandenen Nutzungsaten verteilt.

Wie wird der allgemeine Verteilungsschlüssel ermittelt?
Die Daten zur Verteilung werden zu 75% aus den zur Verfügung gestellten Nutzungsdaten ermittelt. Die restlichen 25% ermitteln sich anhand der Pauschalen-Verteilung durch die User auf dem Internetportal (Punkt 2) sowie dort getätigter zusätzlicher Spenden. Generell werden alle Werke eines Typs gleich behandelt, egal ob dahinter eine Plattenfirma steht oder ein kleiner Künstler. Jedoch wird es wohl zwischen den verschiedenen Medientypen Unterschiede geben müssen. Denn der Anteil eines Films, PC-Spiels oder professionellen Computerprogramms muss in Relation etwas größer sein, als die Nutzung eines einzelnen Musikstückes.

Was muss ich sonst noch wissen?
Die Schaffenden haben in Zukunft zusätzlich zur Kulturflatrate die Möglichkeit ihre Werke in einem Vorverkauf (CopyCan) anzubieten. Hierbei legen die Schaffenden einen Betrag fest der erreicht werden muss, damit das Werk veröffentlicht wird. Nutzen sie hierzu bis zu 50% ihres Verteilungsetats oder geben sie zusätzliche Euro für ihr ersehntes Produkt. Weiterhin können Sie natürlich die zusätzliche Spendenmöglichkeit des Portals nutzen um ihren Lieblingskünstler zu unterstützen.

Soweit so gut… ein Anfang meinerseits wäre gemacht. Doch wie könnte man dieses Konzept verbessern um weitere Kritikpunkte auszuräumen? Hier ist einfach noch mehr Hirnschmalz und Diskussion gefordert. Aber ich bleibe dran.
Als Pragmatiker plädiere ich dazu, eine praktische Umsetzung des Kulturflatrate-Experiments erstmal auf den Teilbereich Musik zu beschränken. Auch wenn dies nicht das Endziel der Piraten sein sollte. Jedoch sollte man, um diesen Vorschlag auch praktikabel verkaufen zu können, erstmal ein paar Abstriche machen. Denn es ist bei einem zu radikalen Schritt einfach nicht absehbar, welche Folgen dieses hat. Und wir wollen ja am Schluss nicht als Kulturvernichter, sondern als Kulturförderer dastehen.

Piratenkauz

Ahoi aus der Denkstube!

Ahoi werte Piraten! Und ein Ahoi auch an die Landratten!

Mit diesem (meinem ersten) Blog möchte ich als frischgebackenes Mitglied an Board der Piratenpartei meinen kleinen persönlichen Beitrag zur Piraten-Diskussionskultur leisten. Und da ich hier unter Deck in der Denkstube natürlich viel Zeit zum sinnieren habe, kommt es tatsächlich auch ab und zu vor, dass dabei etwas Sinnvolles und Zeigbares herauskommt. Und dieser Blog soll dafür herhalten.

Worum es mir hier geht? Ich möchte mich hier mit meinen Ideen, Kommentaren und Vorschlägen zu konkreten Umsetzung, politischen Forderungen und möglichen neuen Themenbereichen in die Piratenmannschaft eingliedern und meinen Beitrag zur Partei leisten. Deshalb werde ich mich nun bemühen, hier in (mehr oder weniger) regelmäßigen Abständen, über die neusten Erkenntnisse und Ideen aus der Piraten-Denkstube zu berichten. Jeder Leser – ob Pirat, Freibeuter oder Landratte -, ist natürlich herzlich dazu eingeladen, meine Beiträge zu kommentieren, zu hinterfragen oder in die weitere Diskussion zu integrieren.

Doch Achtung: Die Beiträge in diesem Blog sind KEINE offiziellen Aussagen der Piratenpartei Deutschland, sondern persönliche Äußerungen eines einfachen, wirren Denkers.

Arr! Also dann, auf guten Wind, volle Segel und jede Menge guter Ideen!

Piratenkauz